01.12.2009/ HR
Internationales Siemens-Arbeitnehmertreffen

17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der tschechischen Republik, Indien, Finnland, Portugal, Brasilien, China, den USA, Frankreich, Holland und natürlich Deutschland trafen sich vergangene Woche in München, um ihre internationale Zusammenarbeit zu verbessern. Rechnerisch vertraten sie mit über 320.000 Beschäftigten rund drei Viertel der weltweiten Siemens-Belegschaft.

Aus der ganzen Welt nach München Perlach

S. Russwurm: 'Verantwortung für unsere Mitarbeiter'

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit wichtiger denn je

Der Vorsitzende des Europabetriebsrats SEC, Werner Mönius, stellte die internationalen Unternehmensstrukturen sowie die entsprechenden Arbeitnehmervertretungen vor. Ein Ausblick auf aktuelle und kommende Entwicklungen unterstreicht, dass die Bedeutung grenzüberschreitender Zusammenarbeit auch auf der Beschäftigtenseite wichtiger ist denn je.

BRIC: Schwerpunktverlagerung in "aufstrebende Märkte"

Die Sicht des deutschen Gesamtbetriebsrats auf Siemens' aktuelle Situation präsentierte dessen stellvertretende Vorsitzende Birgit Steinborn; im Mittelpunkt stehen rückläufige Beschäftigtenzahlen und die strategische Verlagerung von Schwerpunkten in die so genannten "aufstrebenden Märkte".

Bekenntnis zu "deutschen Wurzeln"

Aus einer anderen Sicht, nämlich der der Firmenseite, stellte Arbeitsdirektor Siegfried Russwurm Siemens' globale Aufstellung vor und gab einen Überblick über die Position zu internationalen Aspekten des Global Players. Entwicklungen wie die so genannten SMART-Produkte bewertet er zwangsläufig ausschließlich positiv, als Chance für Siemens im Wettbewerb mit lokalen Anbietern, den Trend weg von Europa hin zu den BRIC-Staaten als unvermeidbar. "Siemens bekennt sich zu seinen deutschen Wurzeln", beruhigte er immerhin - was auch immer dies konkret bewirken mag, wird die Zukunft zeigen.

Weltweit einheitliche Standards

Russwurm sicherte uneingeschränkt Siemens' Ziel zu, weltweit einheitliche Standards für Arbeitsicherheit zu implementieren. Der Grundsatz "Wir stellen uns unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter - an jedem Arbeitsplatz, überall auf der Welt" fügt sich nahtlos in dieses Bild ein; leider gilt dies auch in der Hinsicht auf ihre zwar lobenswerte, aber wenig greifbare Natur. Auf die Schilderung konkreter Missstände jedenfalls, etwa die Ausgrenzung von "White Collar"-Angestellten in Indien von gewerkschaftlicher Organisierung, versprach Russwurm, diese Fälle zu prüfen und gegebenenfalls einzuschreiten.

Internationales Rahmenabkommen rückt näher

Dieter Scheitor, Unternehmensbetreuer der IG Metall, stellte im selben Zusammenhang den Stand der Verhandlungen zu einem internationalen Rahmenabkommen dar. Peter Löscher hatte die Bereitschaft dazu bereits im Jahr 2008 öffentlich erklärt, seitdem wurde ein Entwurf erarbeitet und zwischen Siemens, der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat diskutiert. Derzeit existiert noch Klärungsbedarf zu einigen kleineren Details; über die wesentlichen Bedingungen jedoch herrscht weitgehend Konsens, so dass nach abschließender Abstimmung mit dem Internationalen Metallgewerkschaftsbund in absehbarer Zeit mit der Unterzeichnung zu rechnen ist.

Scheitor betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass auch jetzt schon mit Hilfe der deutschen Interessenvertretung Unterstützung bei nationalen Problemen möglich ist, sofern es den legalen und fairen Umgang des Managements mit der Arbeitnehmerseite betrifft.

Wachsende Gewerkschaftsstrukturen in der "Fabrik der Welt"

Die chinesischen Teilnehmer stellten die gewerkschaftlichen Strukturen und die Interessenvertretung in der "Fabrik der Welt" vor, die unter gänzlich verschiedenen Bedingungen daran arbeiten, mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Ein aus Gewerkschaftssicht äußert attraktives Detail, das allerdings kaum auf Gegenliebe bei Siemens stoßen dürfte: Chinesische Unternehmen führen zwei Prozent der gesamten Gehaltssumme an die Gewerkschaft ab, so dass die Beschäftigten selbst nur sehr geringe Beiträge bezahlen.

Wichtiger Schritt auf langem Weg

Nach zahlreichen Gesprächen im Plenum und mindests ebenso vielen am Rande der Veranstaltung waren alle TeilnehmerInnen überzeugt, dass die Arbeitnehmervertretungen weltweit alles daran setzen müssen, ihre Koordination weiter auszubauen. Konferenzen wie diese und ein Arbeitnehmertreffen im Dezember im indischen Mumbai sind wichtige Schritte auf diesem Weg, an dessen Ende eines Tages die Einrichtung eines Weltbetriebsrates stehen soll.


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