08.11.2012/ HR
Von dunkel- zu hellgrün?

Im Zuge der Jahresbilanz kündigte Siemens an, über den Rückzug aus Solartechnik und Fotovoltaik hinaus auch die Wasseraufbereitung aufzugeben. Was nicht sofort hohe Renditen erwirtschaftet, wird abgestoßen - dieses durch Analysten und Börsianer zum Credo erhobene Prinzip ist klar erkennbar. Weniger klar ist, wie der Schritt zum vielgepriesenen Prinzip des "grünen Riesen" passt.

"Siemens ist grün. Siemens wird noch grüner", verkündete Peter Löscher bereits vor vier Jahren im undefinedInterview. Die image-wirksame und an sich begrüßenswerte Strategie des "grünen Konzerns" oder "grünen Infrastrukturriesen" wird seitdem bei jeder Gelegenheit betont. Zweifel an den Motiven legten sich unter anderem anlässlich des Rückzugs aus der Nukleartechnik.

Dass jetzt in schneller Folge mit Solartechnik und Wasseraufbereitung zwei eindeutig grüne Bereiche aufgegeben werden, stimmt jedoch erneut nachdenklich. Sonnenenergie ist aus technologischer Sicht neben Wind- und Wasserkraft die umweltfreundlichste und nachhaltigste Energie überhaupt; sauberes Wasser ist nach einhelliger Meinung der Wissenschaft einer der wichtigsten und am schnellsten knapper werdenden Rohstoffe. Vor diesem Hintergrund ist der Ausstieg aus diesen Bereichen ein Widerspruch zur Strategie, sich als "grüner Konzern" zu etablieren; das wird in Öffentlichkeit und Politik nicht übersehen werden.

Der Ausstieg begründet sich letztlich rein wirtschaftlich durch die Tatsache, dass eine erfolgreiche Positionierung auf den Zukunftsfeldern Wasser und Sonne misslungen ist - kein Ruhmesblatt für die Verantwortlichen. Die IG Metall und die Betriebsräte werden ihrerseits nicht nur wachsam verfolgen, was dies für die betroffenen Arbeitsplätze bedeutet, und Siemens bei Bedarf nachdrücklich für sie in die Pflicht nehmen. Sie werden auch kritisch verfolgen, ob sich ein schleichender Rückzug aus grünen Technologien abzeichnet.


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