26.11.2012/ HR
Rettungsschirm für Arbeitsplätze

Es gärt bei Siemens, spätestens seit das Programm "Siemens 2014" bekanntgegeben wurde. Auf der Betriebsräteversammlung fielen vergangene Woche in Berlin klare Worte von Betriebsräten und IG Metall, die auf einen zentralen Punkt hinauslaufen: Stellenabau als Sparansatz ist weder innovativ, noch nachhaltig.

Ein symbolischer Schutzschirm für die Arbeitsplätze wurde Arbeitsdirektorin Brigitte Ederer bereits überreicht.

"Margendenken überlagert alles"

Nach außen hin drückten der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler und seine Stellvertreterin Birgit Steinborn gerade im "undefinedTagesspiegel" ihre Kritik aus: "Das Margendenken überlagert alles. Ob wir Geschäftsfelder auch langfristig brauchen, wird dagegen so gut wie gar nicht diskutiert", und: "Bei 5,2 Milliarden Euro Gewinn muss ich nicht eine noch höhere Marge über alles stellen."

Rettungsschirm für Arbeitsplätze

Für die IG Metall kritisierte Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kerner den aktuellen Ansatz des Siemens-Managements und sparte nicht mit Kritik: "Anstatt anzupacken ist das Management damit beschäftigt, von seiner eigenen Verantwortung abzulenken" (siehe Klare Worte ans Management). Um die Beschäftigten in der Fläche über die Bedenken gegenüber vielen Aspekten von "Siemens 2014" zu informieren, erscheint heute ein Flugblatt der "Siemens Nachrichten" mit dem Titel "Rettungsschirm für Arbeitsplätze".

Auf kurzfristige Zahlen schielend Siemens vor allem durch Kostendruck - und damit verbunden Stellenabbau - wieder ins Wohlwollen der Analysten rücken zu wollen, greift als Lösung für die aktuellen Lage eindeutig zu kurz. Ungerecht ist auch, dass wieder einmal die Beschäftigten dafür geradestehen sollen, dass im Management einiges schiefgelaufen ist. Vor diesem Hintergrund einfach durchgängig eine höhere Marge zu verordnen, wird auf Widerstand der Arbeitnehmerseite stoßen: "Bei derartigem Renditewahn macht die IG Metall nicht mit. Stellenabbau als Kostenbremse ist keine innovative Idee, sondern kann sich schnell zum Bumerang entwickeln."

Zukunftsinitiative "D"

Alternativen für industrie- und beschäftigungspolitische Perspektiven werden IG Metall und Gesamtbetriebsrat demnächst in einer Zukunftsinitiative "D" vorstellen. Dazu gehört unter anderem der Ansatz, dass renditeschwächere Bereiche entwickelt werden, statt im Handumdrehen wieder verkauft. Das gilt beispielsweise für die derzeit eher stiefmütterlich - Stichwort Solar und Wasseraufbereitung - behandelten "grünen" Facetten von Siemens, die eigentlich einem integrierten Technologie-Konzern enorme Chancen bieten.


Das Flugblatt "Siemens Nachrichten - Rettungsschirm für Arbeitsplätze" geht diese Woche an die Betriebe. Als PDF kann man es über obenstehenden Link (SN-Sparprogramm.pdf) sowie im undefinedDownload-Bereich herunterladen.


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