Siemens Dialog der IG Metall
29.11.2012/ HD
EDM: Annäherung durch Bewegung!

Bei den Verhandlungen über die Zukunft des EDM-Standortes Hannover gab es vergangenen Montag tatkräftige Unterstützung: Nachdem auf der Betriebsrätekonferenz in Berlin ein "Notruf" aus Hannover abgesetzt worden war, standen über 350 Menschen den Betroffenen bei.

Dieter Schäfer und Frank Wiese.

Annette Müller übergibt ein von den Betroffenen unterschriebenes Plakat an CEO Karlheinz Kaul.

Um eine Perspektive für die Beschäftigten der ehemaligen Electronic Design and Manufacturing Services (EDM) zu fordern, war die Übergabe von rund 1,000 Unterschriften in Form von "Notruf EDM"-Postkarten an die Verhandlungsdelegation geplant. Damit wurde nochmals ausdrücklich auf das vom Betriebsrat in Hannover zusammen mit den Beschäftigten ausgearbeitete Zukunftskonzept hinzuweisen. Ein Bericht aus Hannover:

Um dauerhaft ihre Anwesenheit zu demonstrieren, brachten die 105 von der geplanten Verlagerung nach Fürth direkt Betroffenen ihre Karten an Ballons in den Verhandlungsraum. Bei den Vorbereitungen zu unserer Aktion mussten sich nicht nur einige Heliumballons Luft machen, sondern auch alle Beteiligten haben dies bei ihrer lautstarken Unterstützung der Ansprachen getan.

Direkt vor den Verhandlungsräumen in Hannover/Laatzen fand die Informationsveranstaltung um 13 Uhr 45 statt. Getreu dem Motto "nur wer sich bewegt, kann etwas bewegen" wurde unsere Aktion auch von anderen Standorten und Niederlassungen unterstützt, so kamen z.B. Kolleginnen und Kollegen aus Braunschweig, aus Bielefeld, aus Kassel, natürlich auch aus  Essen und Fürth, selbst von VW Nutzfahrzeuge aus Stöcken kamen Menschen und zeigten ihre Verbundenheit für den Produktionsstandort Hannover. VW zeigt übrigens wie es gehen kann und investiert laut Zeitungsberichten 11 Mrd. €uro in die niedersächsischen Werke.

Frank Wiese, Vorsitzender des Betriebsrates der Siemens AG in Hannover/Laatzen, und der IG Metall-Betreuer Dieter Schäfer machten in ihren Ansprachen deutlich, dass eine Verlagerung nach Fürth keine Alternative ist, zumal das erarbeitete Zukunftskonzept eine deutlich andere Sprache spricht. Weitere Unterstützung erfuhren wir durch Frank Reinecke, Betriebsratsmitglied Siemens Werk Braunschweig, und Thomas Sendrowski, Mitglied der Vertrauenskörperleitung bei VW Nutzfahrzeuge, die in ihren Ansprachen nicht nur auf den Zusammenhalt der Belegschaften, sondern auch auf Hannover als wichtigen Wirtschaftsstandort hinwiesen.

Die Vertrauenskörperleiterin am Standort Hannover/Laatzen, Annette Müller, übergab im Forum vor den Verhandlungsräumen ein von den Betroffenen unterschriebenes Plakat an CEO Karlheinz Kaul, mit einer Erinnerung an die Anfang 2011 getätigten Aussagen, nach denen die langfristige Weiterführung der Produktion in Hannover Laatzen im Business Segment I IA CE SE MF möglich ist.

Bei einer nochmaligen genaueren Darstellung unseres Zukunftskonzeptes wurde verdeutlicht, dass eine verbleibende Fertigung in Hannover/Laatzen, z.B. durch verstärkte Vertriebsaktivitäten, wirtschaftlich sinnvoll ist.

Bei den schwierigen und ausgedehnten Verhandlungen konnte daraufhin eine erste Annäherung erzielt werden: Die geplante Verlagerung zu Jahresbeginn 2013 soll vorerst nicht stattfinden. Vielmehr werden die Verhandlungspartner in der kommenden Woche einen Interessenausgleich vereinbaren, indem unter anderem die Überprüfung der wirtschaftlichen Daten und die Machbarkeit beschrieben werden soll. Ebenso soll ein zeitlicher Ablauf enthalten sein.

Wir Siemensianer bleiben bei unserer Forderung an Herr Dr. Russwurm:

Die Elektronikfertigung in Hannover hat eine Chance verdient!


gedruckt am 24.05.2019 bei www.dialog.igmetall.de