06.12.2013/ HR
IC RL-Themen im Mittelpunkt

Am Standort Erlangen G arbeiten unter anderem rund 3.000 Beschäftigte in der I&C-Division Rails Systems. Bei einer Betriebsversammlung am zweiten Dezember standen entsprechende Themen im Fokus, beispielsweise eine Liste aus der Belegschaft mit über 250 Vorschlägen für Prozessverbesserungen.

Lange Liste: Die IC RL-Beschäftigten erweisen sich mit Verbesserungsvorschlägen als die wahren Experten.

Stellenabbau trotz Mehrarbeit

Aktuell rollte eine Welle von 300 Aufhebungsangeboten durch den Bereich IC RL, obwohl es an Arbeit eigentlich keineswegs mangelt; traditionell kommt am Standort bei IC RL der größte Anteil an Mehrarbeit auf. Die Betriebsratsvorsitzende Sigrid Heitkamp unterstrich den darin liegenden Widerspruch, angesichts dessen der Betriebsrat keine Mehrarbeit bei IC RL mehr genehmigt, wo parallel Personal abgebaut wird. Die Betroffenen forderte sie auf, ihrerseits auch einmal Arbeit liegenzulassen.

IC-Beschäftigte verunsichert

Heitkamp verwies auf die Äußerungen Joe Kaesers zum Umbau von Infrastructure & Cities, der bei den Beschäftigten neue Verunsicherung erzeugt: "Und da hilft es gar nichts, wenn er sagt, der Umbau habe keine Priorität. Das übersetzen die Kolleginnen und Kollegen so: das steht jetzt zwar nicht sofort an, ist aber demnächst fällig." Aus Arbeitnehmersicht ist in diesem Zusammenhang vor allem eines wichtig: "Dass nicht schon wieder die Arbeitsplätze dadurch gefährdet sind."

Heitkamp schilderte am Beispiel des Bahngeschäftes, welchen Schaden vorschnelle Strukturveränderungen anrichten können, mit denen der schnelle Profit gesucht wird: "Welchen Eindruck Siemens gerade macht, kann man ja ausführlich  in der Presse nachlesen. Der Grundstein für die aktuellen Fehlleistungskosten wurde meiner Meinung nach vor 5 Jahren gelegt. Damals hieß das Programm 'Mobility in Motion', bestand aus Personalabbau und hatte den Effekt, dass viele Kenner des Geschäfts abgebaut wurden. Die Erfahrung versuchte man mühselig wieder aufzubauen - nur um jetzt mit 'Siemens 2014' wieder Erfahrungsträger vor die Tür zu setzen."

Abbau hui, Verbesserungen pfui

Nicht nur bei ihr führt dieses Vorgehen zu der Sorge, das Bahngeschäft organisiere sich womöglich derzeit die Fehlleistungskosten der Zukunft, "denn da geht es zu, wie überall beim Programm 2014: Personalabbau ja, Prozessverbesserungen bisher Fehlanzeige!" Der Betriebsrat hat dazu die IC RL-Beschäftigten befragt, das Ergebnis ist alarmierend: 87 Prozent haben bislang nicht fstellen können, dass Prozesse vereinfacht oder abgeschafft wurden. Das mag auch zeitliche Gründe haben, so Heitkamp, aber: "Dann haben wir ein Reihenfolge-Problem, wenn jetzt die Erfahrungsträger abgebaut werden, die wissen, wie es besser gehen könnte."

Siemens 2020 für ein zukunftsfähiges Unternehmen

Dass es viele solcher Experten in der Belegschaft gibt, belegt die Fülle von Verbesserungsvorschlägen, die der Betriebsrat auf seine Befragung erhielt. 252 teils sehr konkrete Vorschläge präsentierte die Betriebsratsvorsitzende - ganz im Sinne des Arbeitnehmeransatzes Siemens 2020, der die Beschäftigten intensiv in die Umsetzung in den Betrieben einbeziehen will. Heitkamp fasste zusammen: "Die IG Metall und die Betriebsräte arbeiten an der Zukunftsperspektive Siemens 2020 als Gegenentwurf zum Programm 2014. Und es ist ja völlig klar, dass wir das nicht alleine machen, sondern gemeinsam mit Ihnen. Sie sind die Experten für ihre Arbeit. Das heißt, die Sammlung der Prozessvorschläge ist sicherlich auch unter diesem Blickwinkel ein Baustein auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Unternehmen."

Fitmachen statt abwickeln

Die Liste der Verbesserungsvorschläge wurde bereits im November der IC RL-Leitung übergeben. Der Betriebsrat und die Beschäftigten warten nun gespannt auf Rückmeldungen zu den Vorschlägen. Impulse werden unterdessen auch an anderer Stelle gesetzt, unter anderem im Rahmen der Betriebsrätekonferenz vor einigen Wochen. Joe Kaeser wurde dort auf die Zukunft von IC und speziell des Bahngeschäftes angesprochen. Seine Antwort bblieb unverbindlich, aber, so Heitkamp: "Schließlich hat er verschiedentlich gesagt, dass Siemens auch mal wieder selbst ein Geschäft in Ordnung bringen will. Das Bahngeschäft ist ein großartiges Betätigungsfeld dafür."

Werkverträge: Betriebsrat fordert konkrete Information

Ein weiteres akutes Thema der Betriebsversammlung war der Umgang mit Werkverträgen. Heitkamp stellte die wesentlichen Unterschiede beispielsweise zur Leiharbeit da, allem voran die fehlende Information des Betriebsrates: "Zum Teil wissen wir somit gar nicht, wer per Werk- beziehungsweise Dienstvertrag hier im Betrieb ist. Wir haben also die Betriebsleitung aufgefordert, uns die Werk- und Dienstverträge vorzulegen."


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