27.07.2015/ US/hr
Freiberger Belegschaft kämpft für den Standort
zum Download:
SFGT_Freiberg.pdf

Nach den derzeitigen Plänen im Zuge von "PG 2020" soll die Siemens-Tochter Siemens Fuel Gasification Technology (SFGT) im sächsischen Freiberg geschlossen werden, rund 70 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Die Betroffenen allerdings nehmen das nicht einfach hin, sondern kämpfen für den Erhalt des Standorts und eine Zukunftsperspektive.

Gemeinsam engagiert ...

... für den Standorterhalt.

Unterschriften aus der Region.

Zu den Gründen für die durch Siemens geplante Standortaufgabe konnte nach der Bekanntgabe im Mai 2015 zunächst nur spekuliert werden. Einer langen Auftragsflaute steht immerhin ein sehr hoher Gewinn von laufenden Projekten gegenüber, der Standort ist profitabel. Offiziell begründet Siemens die Absicht daher mit dem altbekannten Verweis auf eine Portfolioentscheidung - die Vergasungstechnologie gehöre nicht zum Kerngeschäft. Nach ersten Gesprächen Anfang Juli allerdings zeichnete sich ab, dass der Standort Freiberg anscheinend nicht mehr ins Siemens-Bild passt. Im Widerspruch dazu betonte Joe Kaeser in der Siemens Welt vom 21. Mai, man gehe bei den geplanten strukturellen Maßnahmen solidarisch vor und es gebe keine Standortschließungen.

Die Freiberger Belegschaft indes will die Pläne nicht hinnehmen. Für den Standorterhalt sammelte sie bislang mit einer Petition bereits über 3.500 Unterschriften, hinzu kommt breite Unterstützung aus Wissenschaft und Politik in der Region. Sämtliche Aktivitäten gehen von der Belegschaft aus, jegliche Unterstützung von der Geschäftsführung bleibt aus. Der Betriebsrat und die Belegschaft arbeiten derzeit mit der Gruppe 7 an einem Konzept für die Fortführung des Standortes und wollen Synergien mit anderen Siemens Einheiten herausarbeiten.

Die Argumente der Freiberger SiemensianerInnen können sich sehen lassen. Mitte April lobte Joe Kaeser auf der Hannover Messe Innovationen aus Freiberg und die bei der Herstellung angewendeten Verfahren - die allerdings nur mit qualifizierten Mitarbeitern zu realisieren sind. Darüber hinaus gibt es vielversprechende Ansätze in der Fachpresse, wie man die Energiewende mit der Vergasung als Chance begreifen kann. Ein aktuelles, seit fast sieben Jahren laufendes Projekt bereitet den Einstieg in den amerikanischen Markt vor und würde innovative Maßstäbe setzen. Trotz der ungewissen Zukunft führt die Belegschaft das Projekt weiter gewissenhaft durch- sie macht vor, das Unternehmen so zu führen, als sei es das eigene.

Dasselbe Engagement fordert sie aber auch vom Management ein, um Siemens in Freiberg voranzubringen und kritisiert, bei Treffen mit Kunden lasse sich die Geschäftsführung nicht mehr sehen: "Wie soll das auch funktionieren, wenn der CEO mit neuen 'Spezialaufgaben' seine Tätigkeit in Berlin aufgenommen hat." Das Projekt in den USA kann nach Überzeugung der Freiberger ein Erfolg werden, allerdings nur, wenn auch das Management die nötige 'Extrameile' geht. Werden statt dessen Vertriebsaktivitäten stark eingeschränkt und Forschungsgelder nicht mehr eingestellt, wird dem Standort willkürlich der Boden unter den Füßen entzogen: "Auf diese Weise kann man ein Geschäft innerhalb kurzer Zeit so nachhaltig schädigen, dass es natürlich nicht mehr zu Siemens passt und sich auch sonst kein Kaufinteressent finden lässt."


» Übersicht der bisherigen Aktivitäten der Arbeitnehmerseite als PDF

» Freiberger Video "Schaden abwenden - Schließung verhindern"

» Online-Petition für den Standorterhalt


» drucken