07.06.2016/ DL
SEC: Vorsitzende und Sprecher der Regionen einstimmig wiedergewählt

Mitte Mai kamen 33 Mitglieder des Europabetriebsrats "Siemens Europe Committee" (SEC) aus 21 Ländern in Berlin zusammen. Neben der turnusmäßigen Wahl der SEC-Vorsitzenden und der Sprecher der SEC-Regionen standen zahlreiche Themen auf der Agenda.

Einstimmig in ihren Ämtern bestätigt wurden Harald Kern (Deutschland) zum Vorsitzenden, Fritz Hagl (Österreich) zum Stellvertreter und Sprecher der Region Zentral-/Ost-Europa, Bettina Haller (Deutschland) zur Stellvertreterin und Sprecherin der Region Deutschland. Als weitere Sprecher wurden Roy Lund (Norwegen) für die Region Nord-/West-Europa sowie Margherita Milite (Italien) für die Region Süd-/West-Europa ohne Gegenstimmen gewählt.

Harald Kern erläuterte die Aufgaben des SEC und wies besonders auch auf die Rolle der SEC-Mitglieder bei dem Informationsaustausch zwischen dem SEC und der jeweiligen nationalen Ebene der Arbeitnehmervertretung hin. Birgit Steinborn, die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats in Deutschland, erwähnte historische Bezüge zum Datum der Sitzung wie die Paulskirchenversammlung 1848 als Beginn des Parlamentarismus und der Demokratie in Deutschland. Durch die aktuellen Entwicklungen in Europa sei die Demokratie jetzt gefährdet. Auch die die Entwicklung bei Siemens in Europa beschrieb sie als kritisch.

Roy Lund, Margherita Milite, Fritz Hagl und Bettina Haller hielten die Berichte für die SEC-Regionen, bevor die Schwerpunktthemen des nächsten Tages - aktuelle Probleme in der Division „Process Industries and Drives“ sowie die aufgetretenen Fragen im Bereich „Unternehmenssicherheit“ besonders bei der Entsendung von Beschäftigten in Krisengebiete - bearbeitet wurden.

Diskussion um Rolle Europas

Am zweiten Tag Arbeitsdirektorin Janina Kugel und Human Resources-Leiter Gunter Erb sowie als Fachreferenten Udo Niehage, Jürgen Brandes und Johannes Strümpfel als Gäste dazu. Kern wies in der Eröffnung des Tages darauf hin, dass der europäische Markt bei Siemens immer noch für 50 % von Umsatz und Auftragseingang steht. Niehage, Leiter des Siemens-Büros für Regierungsbeziehungen, erläuterte die Aktivitäten des Bereichs „Government Affairs“ mit Büros unter anderem in Brüssel, Berlin, München, Washington D.C. und Peking.

Als Beispiel für die Arbeit seines Bereichs nannte Niehage den Kraftwerksauftrag in Ägypten. Nach seiner Einschätzung gibt es im Zusammenhang mit der Erteilung von Aufträgen auch zahlreiche Anfragen nach Bereitstellung von Ausbildungskapazitäten durch Siemens. Kugel erläuterte die aktuellen Geschäftszahlen, unter anderem nur geringe Veränderungen bei der Beschäftigtenzahl. Als Hauptherausforderungen nannte sie die Digitalisierung und den demografischen Wandel sowie Klimawandel, Urbanisierung und Globalisierung. Siemens will zusätzlich zu bestehenden Kapazitäten in den USA, Indien, Brasilien und Kolumbien auch Ausbildungen in China, Indonesien und Ägypten aufbauen.

In der anschließenden Diskussion wurden vor allem nach wie vor bestehende Kommunikationsprobleme sowohl mit Führungskräften, als auch mit HR und aus dem „Kopfzahldenken“ resultierende Schwierigkeiten mit Leiharbeitern und der Übernahme von Auszubildenden angesprochen. Schwierigkeiten bei der Übernahme von ausgelernten Auszubildenden gibt es aktuell in Österreich; die Leiharbeiterproblematik wurde vor allem aus Österreich und Dänemark angesprochen.

Keine Standortgarantien

Brandes machte Ausführungen zu den Schwierigkeiten in der Division „Process Industries and Drives“. Er wies vor allem auf den gefallenen Ölpreis und die Verschiebung der Märkte nach Asien und Amerika hin. Die SEC-Mitglieder aus Österreich kritisierten die unzureichende Information zu der geplanten Schließung der SIMEA-Fertigung in Wien. Diese geplante Maßnahme sei ohnehin vollkommen unverständlich, da die Fertigung gut ausgelastet und hoch profitabel sei. Hagl fragte, warum immer nur über Verlagerungen von Europa nach Asien und zum Beispiel in diesem Fall nicht auch in umgekehrter Richtung nachgedacht werde. Diskutiert wurde auch über die Standorte in Norwegen, Frankreich (Haguenau) und Spanien (Cornellà). Brandes sagte, dass prinzipiell keine Standortgarantien gegeben werden können.

Wachsende Bedeutung der Sicherheit

Strümpfel erläuterte die bei Siemens bestehenden Regelungen zu den Bereichen Unternehmenssicherheit, Reisesicherheit und Krisenmanagement. Er wies auf zunehmende Schwierigkeiten mit Bürgerkriegen, Terroranschlägen und Cyber-Kriminalität auf der Welt hin. Bei Siemens sind für Dienstreisen in manche Gebiete besondere Genehmigungen erforderlich. Als spektakuläres Beispiel für die Tätigkeit seines Bereichs nannte er das Ausfliegen von 68 Beschäftigten von Siemens und den beauftragten Subunternehmen von einer Kraftwerkbaustelle im Irak vor der heranrückenden IS-Miliz im Juli 2014.

Paul Gregory aus Großbritannien fragte gezielt nach der Entsendung von Beschäftigten in Krisengebiete auch gegen den Willen der Betroffenen. Einen solchen Konflikt gab es konkret am Standort Lincoln. Strümpfel wies auf die bestehende Verantwortung der Führungskräfte hin. Seiner Meinung nach sind unfreiwillige Entsendungen nicht sinnvoll. Kern sagte, dass in den Reihen des SEC mehrere zum Thema Auslandsentsendungen kompetente Vertreter, zum Beispiel aus den Standorten Mülheim, Berlin, Finspång oder Lincoln, vorhanden sind.

Zum Abschluss der SEC-Sitzung fand eine interne Auswertung der Sitzung statt, und es wurden einige Verabredungen getroffen. Kern kündigte eine grundsätzliche Stellungnahme des SEC zum Thema Verlagerung aus Europa heraus an. Er wies auch auf den Verein „Wir für Siemens“ hin, der das Ziel verfolgt, über die Stärkung des Anteils der Belegschaft am Unternehmen Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu erreichen.

René Jensen aus Dänemark und Mikael Wiström aus Schweden wurden aus dem SEC verabschiedet. Kern dankte beiden für ihre langjährige Tätigkeit. Die nächste SEC-Sitzung findet am 30./31. Mai 2017 in Brüssel statt.


» Eine Resolution des SEC zur Bedeutung des europäischen Marktes kann man über obenstehenden Link (2016_VI-SEC-Resolution_de.pdf) als PDF herunterladen.


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