16.02.2017/ HR
Schock in Tübingen

Die Sparte Process Industries and Drives gerät erneut ins Visier der Einsparer: In Tübingen sollen 330 Arbeitsplätze nach Tschechien verlagert werden. Als Begründung müssen wieder einmal angebliche Wettbewerbsnachteile herhalten.

Siemens teilte seine Pläne am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss mit, bevor am Donnerstag die Belegschaft informiert wurde. Sie reagierte mit Fassungslosigkeit, zumal sowohl die zuständige IG Metall Reutlingen-Tübingen und der Betriebsrat bereits seit langem auf Verbesserungspotenziale für den Standort hingewiesen haben. Ein Siemens-Sprecher wird in den Medien mit der Aussage zitiert, das Getriebemotorengeschäft kämpfe mit Verlusten und Größennachteilen gegenüber dem Wettbewerb.

Rund 580 Menschen arbeiten derzeit in dem Betrieb, der erst vor 12 Jahren von Siemens übernommen wurde. Sollte ihre Zahl am Ende tatsächlich auf 250 reduziert werden, ist die Zukunft des früheren Flender-Standortes langfristig wohl offen; es wäre nicht das erste Mal, dass nach einer Reduktion plötzlich die Sprache darauf kommt, der betroffene Betrieb sei unter eine kritische Grenze geraten. Tübingen musste zuletzt im Jahr 2010 um Arbeitsplätze kämpfen (siehe Interessenausgleich für Reutlingen - Tübingen).

Der Gesamtbetriebsrat wird nun eine Projektgruppe einsetzen, die sich mit den Verlagerungsplänen befasst. Siemens selbst spricht bereits von möglichen Altersteilzeitregelungen, Versetzungen und Aufhebungsverträgen – vor einen Interessensausgleich und Sozialplan allerdings hat das Betriebsverfassungsgesetz bekanntlich eine Informations- und Beratungsphase gesetzt.


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