19.07.2017/ HR
Görlitz kämpft um Ausbildung

An vielen Standorten, deren Ausbildung von den Plänen des Managements bedroht ist, wächst der Widerstand. Beispiel Görlitz: Hier kämpft die JAV um den Erhalt der vor nicht einmal drei Jahren eröffneten SPE.

"Kompetenz für die Zukunft"

- diesen Bedarf betonte bei der Eröffnung der Görlitzer SPE im November 2014 Thomas Leubner, der bei Siemens bundesweit die Ausbildung leite. Umso unverständlicher ist die Entscheidung, diese Ausbildungsstätte jetzt wieder dichtzumachen. Wird dieser Plan umgesetzt, müssen Azubis der technischen Berufe nach Leipzig oder Chemnitz; parallel würde die für beide Seiten fruchtbare Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz kippen und auch die Studierenden müssten an eine Hochschule in Leipzig oder Chemnitz wechseln.

JAV geht auf die Bremse

Der JAV-Vorsitzende Lukas Nitsche kann die Pläne nicht nachvollziehen: "Was soll denn das jetzt? Ich habe hier eine hervorragende Ausbildung genossen. Die Ausbildungsstätte ist eine der modernsten Einrichtungen. Wir werden das nicht geräuschlos hinnehmen." Ähnlich äußern auch die meisten Beschäftigten Unverständnis: "Die Ausbildung zu schließen geht gar nicht! Was ist mit der Verantwortung von Siemens für die Region oder verabschiedet sich der Standort aus der Verantwortung. Wir brauchen junge Facharbeiter und Bachelors auch in Zukunft und auch hier!"

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung sieht an dieser Stelle den Punkt, "an dem wir als Arbeitnehmervertretung der Auszubildenden auf die Bremsen gehen müssen". Sie jedenfalls ist entschlossen, um den Erhalt der Ausbildung vor Ort zu kämpfen. In einem kürzlich verteilten Flugblatt fordert sie ein Umdenken beim Managements und kündigt an: "Wir können und werden uns laut bemerkbar machen! Wir kämpfen um jeden einzelnen Ausbilder in Görlitz! Wir kämpfen um jeden einzelnen Ausbildungsplatz am und im Standort Görlitz!"

Angriff auf den Standort

Bei der IG Metall kann man die Verärgerung am Standort gut nachvollziehen, erklärt Annette Engelfried vom Siemens Team: "2015 beabsichtigte der Vorstand mit seinem Programm PG 2020 drastischen Personalabbau und Verlagerungen bis hin zu Standortschließungen in Deutschland. Auch der Standort Görlitz wurde damals in Frage gestellt. Widerstand und großes Engagement der Belegschaft und ihrer Interessenvertretungen konnten dies verhindern und teilweise gegen den Willen des Managements eine Standortsicherung erreichen. Nun soll das Ausbildungszentrum geschlossen werden. Dies deuten Auszubildende und Belegschaft als einen erneuten Angriff auf den Standort durch die Hintertür. Es wundert mich nicht, dass die Empörung so groß ist.“

Die Jugendlichen fordern ihre Kolleginnen und Kollegen am Standort nun auf, sie bei ihren Aktionen zu unterstützen, um ihre Durchsetzungskraft zu stärken und den Ausbildungsstandort Görlitz gemeinsam erhalten zu können. Das durchweg positive Echo auf die Flugblattverteilung lässt erwarten, dass dieser Appell nicht auf taube Ohren stößt.


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