22.08.2017/ HR
Schlag ins Kontor

– so bezeichnete die IG Metall in Essen die Nachricht von der geplanten Schrumpfkur der Ausbildung bei Siemens. Anfang August ging die örtliche IG Metall an die Öffentlichkeit, um vor den Sparplänen des Vorstands zulasten der Zukunft zu warnen.

Schon beim Jugendaktionstag 2016 hatten die Essener Flagge gezeigt (Foto: Alfons Rüther, IG Metall Essen).

"Wenn Siemens die Ausbildung in Essen aufgibt, ist das der erste Schritt, um am Standort zu kratzen", betonte Betriebsbetreuer Alfons Rüther von der Essener IG Metall gegenüber der WAZ.

Spiel mit der Zukunft

Tatsächlich wurde schon im Jahr 2010 die technische Ausbildung der NL Essen nach Düsseldorf verlegt, so dass seitdem vor Ort nur noch sieben Kaufleute und dual Studierende pro Jahr eingestellt werden. Der Betriebsrat und die IG Metall sehen die aktuelle Entwicklung vor diesem Hintergrund übereinstimmend als weiteren Einschnitt in die Zukunftsperspektiven des Standorts.

Belegschaftsgröße im Abwärtstrend

Dazu passt, dass der Betriebsrat auf Basis seiner Personalstatistik vergangenen Mai erstmals feststellen musste, dass die Belegschaft unter 1.000 Mitarbeiter_innen gerutscht war. Der Betriebsratsvorsitzende Peter Pawlowski befürchtet, dass Essen durch altersbedingte Fluktuation mehr Beschäftigte verliert, als durch Auszubildende ersetzt werden. Ein Grund mehr für die klare Forderung: "Ausbildung mit Perspektiven – Investieren statt reduzieren!"

Insgesamt verliert Siemens in Essen seit langem stetig an Boden. So wurde zuletzt die Elektronikwerkstatt der früheren EDM mit rund 60 Stellen geschlossen, kommendes Jahr soll Energy mit über 300 Arbeitsplätzen nach Mülheim umziehen. Dann bleibt nur noch die Niederlassung – umso wichtiger, dass sie nicht stückweise ausgeblutet wird und den eigenen Nachwuchs verliert, mahnt Rüther.


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