24.10.2017/ SD
Vorstand auf Kollisionskurs

Am 20. und 21. Oktober trafen sich in Frankfurt erst Betriebsräte zahlreicher PG- und PD-Standorte, dann Vertrauensleute aus Siemens-Betrieben bundesweit. Beide Termine standen bereits lange, bevor die neuen Abbaumeldungen durch die Medien rollten.

Natürlich warf die Meldung des "Manager Magazins" zu neuen Abbauabsichten (siehe Nicht schon wieder!) insbesondere im Bereich Power & Gas die Tagesordnung beider Treffen gründlich über den Haufen und rückte die Frage in den Fokus, wie die Arbeitnehmerseite diesen Plänen begegnen kann. Wenngleich es sich bislang nach wie vor an sich um unbestätigte Gerüchte handelt, kann man auf den Konjunktiv mittlerweile wohl verzichten – das Ausbleiben eines Dementis vom Wittelsbacherplatz spricht für sich.

Großangelegter Angriff

So hielten sich den Teilnehmer_innen in Frankfurt auch nicht lange mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Meldungen auf. Die erste Erkenntnis in diesem Zusammenhang war vielmehr, dass die geplanten Standortschließungen und ein Stellenabbau in vierstelliger Höhe mit einem großangelegten Angriff auf die Arbeitnehmerseite bei Siemens und Errungenschaften wie die Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung ("Radolfzell") gleichzusetzen sind. Daraus ergab sich die zweite Erkenntnis: Die Arbeitnehmerseite muss sich geschlossen – Belegschaften, Betriebsräte und IG Metall – gegen diesen Angriff zur Wehr setzen.

Karten auf den Tisch!

In diesem Sinne wurden bereits erste Maßnahmen vereinbart. So fordern die Interessenvertretungen der potenziell betroffenen Standorte den Vorstand der Siemens AG in dieser Woche auf, zu den vom "Manager Magazin" verbreiteten Plänen eine klare Stellungnahme abzugeben: "Wenn Sie tatsächlich erneut Einschnitte in Standorte und Beschäftigung beabsichtigen, legen Sie diese Absichten ohne weiteres Taktieren auf den Tisch und stehen Sie zu ihnen."

Für den Standort Deutschland

Die Vertrauenskörperleitungen verabredeten angesichts der zu erwartenden Auseinandersetzung, standortübergreifend gemeinsam und in enger Abstimmung vorzugehen. An alle Siemens-Beschäftigten, den Vorstand und die Öffentlichkeit richtet sich eine entsprechende Resolution mit der Überschrift "Für den Standort Deutschland".

Ein Auszug: "In den Bereichen PG und PD wurden in den Jahren 2015 beziehungsweise 2016 tiefgreifende Umorganisationen begonnen, deren Umsetzung bis heute noch nicht abgeschlossen ist. In beiden Fällen haben die Beschäftigten mit erheblichen Opfern zu einer Neuaufstellung beigetragen, die ihre Betriebe sicher zukunftsfähig machen sollte. [...] Sollte der Siemens-Vorstand auf den am 19. Oktober bekannt gewordenen Plänen beharren, erklären sich die Vertrauenskörper bundesweit mit den betroffenen Betrieben solidarisch. Sie werden sich gemeinsam mit allen Mitteln dafür einsetzen, diese Fehlentwicklung zu stoppen."

Einen Vorgeschmack auf dieses gemeinsame Vorgehen gibt es bereits in der laufenden Woche: Am 25. Oktober werden die nach jetziger Erwartung betroffenen Betriebe mit "5 vor 12"-Aktionen auf die kritische Situation aufmerksam machen.


» vollständige Resolution als PDF im Download-Bereich

» Fotos der Tagung der Vertrauenskörperleitungen auf unserer Facebook-Seite


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