06.11.2017/ JP
Aktionstag Bahnindustrie: Siemens vorne dabei

An vielen deutschen Standorten in der ganzen Republik, etwa bei Siemens in Krefeld und München, bei Bombardier in Berlin ebenso wie bei Alstom in Salzgitter bzw. Siemens in Braunschweig, kamen am Montag, den 6. November 2017 Beschäftigte, Betriebsräte und Vertrauensleute zum IG Metall-Aktionstag für die Bahnindustrie zusammen.

Ob aus Krefeld, Wegberg-Wildenrath, Essen, Luhe-Wildenau, München, Berlin oder Braunschweig: IG Metaller/innen bei Siemens-Mobility machen mobil für eine aktive Industrie- und Branchenpolitik

Unternehmens- und standortübergreifend machten sie sich für vor allem für eine starke Industriepolitik und verstärkte Investitionen in ihrer Branche stark. Siemens-Kolleginnen und Kollegen weiterer Mobility-Standorten schlossen sich den Aktionen an, so z.B. in Berlin, Luhe-Wildenau und München sowie aus Wegberg-Wildenrath und Essen, die in Krefeld mit dabei waren. 

Bahnindustrie im Wandel

Der Handlungsbedarf in der Bahn-Industrie ist gewaltig, die Herausforderungen sind es auch: Die Bahnindustrie befindet sich in einem Wandel, spätestens nach der Fusion der beiden größten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC hat sich der Druck nochmals massiv verschärft. Hersteller und Zulieferer entlang der gesamten Wertschöpfungsketten sind vom schärfer werdenden Wettbewerb betroffen. Das aber hat Auswirkungen auf die deutsche Bahnindustrie.

Schon seit längerem steckt der Hersteller Bombardier in einer harten Umstrukturierung, viele Arbeitsplätze sind in Gefahr. Ende September gab Siemens bekannt, seine Zugsparte mit dem französischen Anbieter Alstom zusammenzulegen. IG Metall und Arbeitnehmervertretern gelang es, im Vorfeld Vereinbarungen auszuhandeln, die den Beschäftigten fürs Erste Sicherheit geben: Mit den getroffenen Standortgarantien von vier Jahren, einem Verzicht auf Kündigungen für mindestens vier Jahre, den Erhalt der Mitbestimmung sowie der Absicherung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Deutschland und Frankreich ist eine Basis gelegt. Doch allein mit diesen Vereinbarungen aber, das ist auch den Beschäftigten in der Branche klar, werden die Arbeitsplätze in Zukunft nicht zu halten sein.

Offensive für die Schiene

Wie eine Stärkung des Systems Schiene aussehen könnte und was dazu nötig wäre, das machte Jürgen Kerner am Vormittag vor ca. 600 Beschäftigten am Siemens-Standort Krefeld und am Nachmittag bei Alstom in Salzgitter unmissverständlich deutlich. "Um Arbeitsplätze in der Branche langfristig zu sichern, braucht es zukunftsweisende Konzepte für die einzelnen Standorte und dazu neue Produkte und Investitionen", betonte Kerner, der als geschäftsführendes Vorstandsmitglied die Branchenpolitik der IG Metall auch für die Bahnindustrie verantwortet. "Wir brauchen eine Offensive zur Sicherung und Stärkung unserer Arbeitsplätze, Standorte und Wertschöpfungsketten."

Heinz Spörk, Betriebsratsvorsitzender von Siemens in Krefeld sieht das genauso. Er kennt die Sorgen, Ängste, die Unsicherheiten der Kolleginnen und Kollegen sehr genau - in den vergangenen Tagen hat er jede freie Minute mit der Belegschaft gesprochen. "Die Beschäftigten wollen Sicherheit, sie brauchen Perspektiven", sagt der 59-jährige Metaller. "Wir als Betriebsräte bringen uns deshalb aktiv in die Gestaltung unsere Branche ein. Das machen wir natürlich standort- und unternehmensübergreifend."

Eigens zum Aktionstag haben die Betriebsräte der IG Metall in der Bahnindustrie ihre Forderungen auf den Punkt gebracht und eine "Gemeinsame Erklärung" veröffentlicht. Diese wurde an vielen Standorten von den Beschäftigten und teils auch von den Betriebsleitungen unterschrieben, so zum Beispiel von den Mobility-Kolleginnen und Kollegen in Berlin im Rahmen einer Betriebsversammlung oder am Standort Luhe-Wildenau im Rahmen einer Informationsveranstaltung.

Branchenkoordinator für die Bahnindustrie

Der Markt alleine wird es nicht richten können, so Jürgen Kerner in seiner Rede vor den Beschäftigten in Krefeld. "Die Entscheidungsträger in Berlin und Brüssel stehen in der Pflicht, für Deutschland und Europa eine innovations- und beschäftigungsorientierte Branchenpolitik mitzugestalten". Dazu gehöre ein Branchendialog für Eisenbahn und Bahnindustrie mit Politik, Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Forschung, der Transparenz schafft und gemeinsame Strategien klärt. "Und wir brauchen, wie in der Luft- und Raumfahrtindustrie schon lange bewährt, einen Branchenkoordinator der Bundesregierung, der auf Staatssekretärsebene Bahnindustrie und Bahnbetrieb zusammendenkt und die Aktivitäten der Ministerien bündelt. Das muss fest im Koalitionsvertrag verankert werden."

Notwendig sei gleichzeitig die Einrichtung eines nationalen Forschungsprogramms für die Bahnindustrie. Dieses würde Unternehmen und Arbeitsplätzen zugutekommen. Auch müsse eine faire Auftragsvergabe der öffentlichen Hand und der Deutschen Bahn gewährleistet werden, um die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland und Europa zu sichern. Aber auch die Betriebe stünden in der Pflicht: "Die Sicherung von hochqualifizierten Fachkräften durch Aus- und Weiterbildung ist eine Kernaufgabe der Unternehmen", betonte Kerner. "Allerdings müssen sie in Zeiten zunehmender Digitalisierung von der öffentlichen Hand unterstützt werden."


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