20.11.2017/ SD
Schlechte Kritiken aus der NL München

Harsche Kritik am Siemens-Vorstand ist derzeit praktisch Normalität bei Betriebsversammlungen. Das gilt im Zeichen der gerade jetzt enorm wichtigen Solidarität auch für Standorte, die selbst nicht unmittelbar betroffen sind. Zum Beispiel in der Niederlassung München – ein Bericht des dortigen Betriebsrates:

Rote Karte für den Vorstand.

Nachdem bald monatlich Hiobsbotschaften, vor allem über die Presse, bekannt werden, fühlen sich die Kolleginnen und Kollegen auf den Arm genommen. Joe Kaeser wollte bei seinem Amtsantritt Ruhe ins Unternehmen bringen. "Wenn alles ausgegliedert und verkauft ist, dann herrscht auch die vom Vorstand beschriebene Ruhe", so der Betriebsratsvorsitzende Günter Prietz.

In Deutschland wird Arbeitsplatz um Arbeitsplatz abgebaut, zugekauft und investiert wird im Ausland, insbesondere in den USA. "Man hat das Gefühl, der Vorstand hat sich den Spruch von US-Präsident Trump zu eigen gemacht ‚America first!‘", kritisierte Günter Prietz und erntete dafür zustimmenden Applaus der Kolleginnen und Kollegen.

Mit einem Zitat des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mahnte Prietz: „Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hingehen soll.“ Es bleibt der Eindruck, dass der Vorstand vergessen hat, wo die Wurzeln der Siemens AG sind.

Die mögliche Kündigung von „Radolfzell 2“ und die damit in den Raum gestellten betriebsbedingten Kündigungen und Standortschließungen stießen bei den Anwesenden auf besonders tiefes Unverständnis: "Wir zeigen dem Vorstand die rote Karte!"


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