22.12.2017/ JP
Siemens-JAVis aktiv für Perspektiven!

Über 70 Jugend- und Auszubildendenvertreter/innen aus rund 40 Siemens-Betrieben trafen sich am 18. und 19. Dezember im Main-Forum der IG Metall in Frankfurt, um über Zustand und Perspektiven von beruflicher Ausbildung und dualem Studium im Konzern zu beraten. In einer Resolution solidarisierten sie sich zudem mit den von Abbau und Standortschließungen bedrohten Belegschaften bei PG und PD.

Gemeinsam einstehen für den Erhalt von Standorten, Arbeitsplätzen und Perspektiven!

Internsiver Austausch zu Ausbildung und Dualem Studium bei Siemens im Plenum...

...sowie in den verschiedenen...

... thematischen Foren.

JAVen bingen auch in schwierigen Situationen die Interessen und das Engagement junger Menschen mit ein.

Verabschiedung einer Resolution...

...Solidarität mit den Beschäftigten bei PG und PD.

Abschlussrunde mit Vertreter/innen von GJAV, Gesamtbetriebsrat und IG Metall.

Gleich zu Beginn der Tagung zeichnete Anatoli Klassen vom Siemensteam der IG Metall noch einmal die wichtigsten Etappen der jüngsten Auseinandersetzung um die Zukunft der Siemens-Ausbildung nach. So sahen die ursprünglichen Managementpläne u.a. eine Halbierung der Anzahl an SPE-Trainingscentern sowie eine deutliche Reduzierung der Ausbilder/innenstellen vor. Mit Unterstützung kraftvoller und kreativer Aktionen konnte der ursprüngliche Schließungs- und Abbauumfang jedoch deutlich reduziert werden. 

GJAV stellt Kompromisspaket für SPE vor

Max Baldauf, Vorsitzender der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV) der Siemens AG, stellte in seinem Beitrag noch einmal die wichtigsten Eckpunkte des Kompromisspakets für die Siemens-Ausbildungsorganisation vor: So konnten eine ganze Reihe von SPE-Trainingscentern wieder von der Schließungsliste heruntergeholt und die Streichung von Ausbilder/innenstellen zumindest reduziert werden. Auch die ursprüngliche Prämisse, künftig keine Ausbildung für andere Unternehmen mehr anbieten zu wollen, konnte zumindest abgeschwächt werden; ein wichtiger Aspekt, denn eine Reihe von SPE-Trainingscentern sind auf diese externe Ausbildung angewiesen.

Auseinandersetzung geht an einigen Standorten weiter

Mit Hinweis auf die aktuellen Standortbedrohungen bei PG und PD sowie auf spätere Überprüfungen einiger Trainingscenter wies der GJAV-Vorsitzende aber darauf hin, dass mit dem vollzogenen Abschluss des Interessenausgleichs der dauerhafte Erhalt der nun vorerst geregelten Trainingscenter noch keineswegs abschließend gesichert sei. Hier dürfe man sich nicht zurücklehnen; vielmehr werde im Einzelfall weiter aktiv für den Erhalt von Standorten und Ausbildungskapazitäten gekämpft werden müssen.

Finanzielle Gleichstellung der Dual Studierenden

Über die Trainingscenter und Ausbilderstellen hinaus konnten bei den Verhandlungen durch den massivem Druck aus den Standorten weitere Verbesserungen erreicht werden; so etwa bei den Reisekosten- und Übernachtungsregelungen für Auszubildende und Dual Studierende. Besonders stolz konnten die jungen Metaller/innen darauf sein, dass für die auch bei Siemens stetig wachsende Anzahl an Dual Studierenden ohne IHK-Vertrag endlich eine finanzielle Gleichstellung der Studienbeihilfe auf dem Niveau des M+E-Tarifvertrages Baden-Württemberg – einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld und AVWL – sowie bei den Urlaubs- und Arbeitszeitregelungen und der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durchgesetzt werden konnte. Ein wichtiger Schritt, wobei auf dem Weg zu einer vollständigen tarifvertraglichen Gleichstellung natürlich noch weitere folgen müssen, etwa die unbefristete Übernahme nach dem Studium. Dafür wolle man sich weiterhin – gemeinsam mit den Dual Studierenden – einsetzen.

JAVis bringen ihre Top-Themen zur Sprache

In einer gemeinsamen Aussprache beschrieben anschließend die Sprecher/innen der drei GJAV-Verbindungskreise sowie die anwesenden Vertreter/innen der örtlichen JAVen ihre Situation und Aktivitäten der letzten Monate und fassten ihre jeweiligen Schwerpunktthemen zusammen. Hier wurde Licht und Schatten deutlich. Auffallend war, dass beinahe durchgängig die Absicherung der Ausbildungsqualität und einer ausreichenden Anzahl an Ausbilder/innen, die Durchsetzung der unbefristeten Übernahme für Auslerner/innen und Absolventen sowie die Notwendigkeit einer engeren Einbindung der Dual Studierenden in die JAV-Arbeit als Stichworte fielen. Genau diese Themenschwerpunkte wurden dann an beiden Konferenztagen im Rahmen thematischer Foren weiter vertieft und im Hinblick auf gemeinsame Handlungsmöglichkeiten von JAVen, Betriebsräten und IG Metall diskutiert.

Ausbildung mit Perspektiven am Standort Deutschland

Vor dem Hintergrund der aktuellen Abbau- und Standortschließungspläne des Siemens-Vorstandes, die jüngsten Angriffe auf das Radolfzell-Abkommen sowie den radikalen Konzern-Umbau im Sinne einer Holding-Struktur stellen sich viele Auszubildende und Dual Studierende inzwischen jedoch auch ganz allgemein die Frage nach ihren beruflichen Perspektiven im Konzern. Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Hauptkassierer der IG Metall, ging deshalb in seinem Beitrag auf diese Fragen ein. Er betonte die große Bedeutung des generationenübergreifenden Engagements für den Erhalt der industriellen Substanz von Siemens als integrierten Technologiekonzern und sozial verantwortlich handelndem Großunternehmen mit Vorreiterfunktion in Deutschland. Das sei auch und vor allem im Hinblick auf die Zukunft für die beruflichen und sozialen Perspektiven jüngerer Menschen von enormer Bedeutung.

Interessen und Engagement junger Menschen mitdenken

In der Abschlussrunde fassten die GJAV-Spitze, die GBR-Vertreterin Bettina Haller sowie Anatoli Klassen und Jürgen Kerner von der IG Metall ihre Erkenntnisse aus der Tagung für die weitere Diskussion um die Zukunft der Siemens-Ausbildung noch einmal zusammen. Dabei waren sie sich einig, dass die Top-Themen der Tagung sowohl an den Standorten, als auch auf GJAV- und Verbindungskreisebene aktiv und mit Priorität bearbeitet werden sollten. Im Zusammenhang mit den Konflikten im Konzern sei es zudem wichtig gewesen, die spezifischen Themen der jüngeren Generation noch einmal besonders zu akzentuieren. Sie forderten die Siemens-JAVis auf, sich und Azubis und Dualis in diesem Sinne selber vor Ort in die Auseinandersetzungen aktiv mit einzubringen. Passend dazu solidarisierten sich die Teilnehmer/innen zum Abschluss der Tagung in einer einstimmig beschlossenen Resolution mit den kämpfenden Kolleginnen und Kollegen in der Kraftwerks- und Antriebssparte von Siemens.


» drucken