01.02.2018/ SD
Kein Weg am Protest vorbei

Zur Hauptversammlung protestierten rund 300 Siemens-Beschäftigte vieler Standorte vor und selbst in der Münchner Olympiahalle. Viele Aktionäre zeigten Verständnis, und selbst ihre Interessenverbände mahnten den Vorstand zur Verantwortung.

Daran führt keinWeg vorbei: Protest vor der Halle ...,

... drinnen und ...

... am Frankfurter Römer.

Begrüßung vor der Halle

Vor der Halle wurden die Aktionäre von einer langen Reihe aus Transparenten begrüßt, mit denen Delegationen nicht nur aus den betroffenen Standorten ihre Forderungen demonstrierten: Sie wollen tragfähige Perspektiven für die Zukunft, statt Arbeitsplätze und Betriebe auf dem Altar maßloser Margen und schneller Kostensenkungen zu opfern.

Kritik von Aktionärsseite

Joe Kaeser hingegen versuchte in der Halle erneut, die rigorosen Abbaupläne zu rechtfertigen. Allerdings musste er auch hier zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur die Betriebsräte, Beschäftigte und IG Metall Alternativen fordern: "Stellenabbau muss das letzte Mittel sein", belehrte etwa Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz den Vorstand. Sogar ein Fondsmanager klang fast ein wenig nach Arbeitnehmerseite: "Siemens muss nicht nur Rendite liefern, sondern auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen."

Die Siemens-Vorstände hatten dem wenig entgegenzusetzen. Das laute Medienecho der vergangenen Monate klingt überwiegend kritisch und wird sich durch unverbindliche Beschwichtigungen ebenso wenig dämpfen lassen wie der Widerstand der Beschäftigten. Auch sie waren dem Management bis in die Halle gefolgt und standen dort, gut sichtbar durch gelbe Warnwesten mit "Mensch vor Marge"-Schriftzug, für ihre Arbeitsplätze auf.

Doppel aus Offenbach

Gleich waren die Siemens-Beschäftigten aus Offenbach aktiv. Während eine Delegation sich in München mit ihrem Transparent in die anderen Standorte einreihte, zogen rund 200 vom Betrieb zu einer Kundgebung vor der Frankfurter Börse. Dort sprachen sich unter anderem der geschäftsführende IG Metall-Vorstand Hans Jürgen Urban und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann nachdrücklich für ihren Widerstand aus.

Vorstand bleibt unverbindlich

Es wird sich zeigen, ob sich am Wittelsbacherplatz nun endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass der oft zitierte strukturelle Wandel nur mit den Beschäftigten zu bewältigen ist, aber nicht gegen sie. Kaeser deutete erneut an, es könne eventuell Hoffnung für den Standorterhalt in Görlitz geben; seine Arbeitsdirektorin antwortete ihrerseits auf drängende Fragen der Presse, sie hoffe auf eine Einigung, solange das Wetter noch warm ist.

Klare Zusagen klingen anders – aber immerhin scheint man sich der Tatsache zu stellen, dass die im vergangenen Herbst so holprig verkündeten Abbaupläne sich nicht auf die Schnelle umsetzen lassen.


» Fotos unserer Aktion vor der Halle auf unserer Facebook-Seite

» "Tagesthemen" vom 31. Januar zum Protest (ab 14:25 min)


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